RBB: Fahrradkuriere hart am Limit - Tortour de Berlin

Fahrradkuriere hart am Limit - Tortour de Berlin

Die Reportage zeigt den hektischen Alltag der Kuriere. Täglich kämpfen sie mit Wind und Wetter gegen die Zeit und gegen den Verkehr.

Etwa 350 Kuriere fahren täglich Zahnabdrücke, Videotapes, Blutproben oder ganze Aktenordner durch Berlin. Alles, was in den Rucksack passt, ist auf dem schnellsten Wege zum Adressaten. Fahrradkuriere flitzen mit 40 Stundenkilometern durch die Straßen.

Sie arbeiten als selbständige Sub-Unternehmer für Firmen mit klangvollen Namen. Nur wer eine Sendung im Bag-Jack hat verdient wirklich Geld. Kuriere arbeiten im Akkord. Acht bis zwölf Stunden täglich quälen sie ihren Körper, risikieren Unfälle, schwitzen oder frieren.

Die meisten verzichten wegen der mageren Tageseinnahmen auf Altersvorsorge und teure Krankenversicherung. Und doch ist der riskante Job für sie wie eine Geschwindigkeitsdroge, von der man schwer wieder loskommt.

Berliner Fahrradkuriere
Dustin ist 34 und stammt aus Kanada. Gelernt hat er Bauzeichner, aber als er fertig war, gab es keine Stelle für ihn. Vor 12 Jahren fing er an als Kurier sein Geld zu verdienen, erst in Vancouver, dann in London, jetzt in Berlin. Dustin ist ein wandelndes Lexikon des Radsports, er sammelt alte Bahnräder, Trikots, Pokale. Er fährt ohne Rücktritt, Schaltung, Bremse, dafür mit starrer Achse im Straßenverkehr.

Elena ist 28 und fährt seit eineinhalb Jahren in Berlin. Früher war sie Produktionsassistentin bei einem Hamburger Verlag. Als der Job sie zu nerven begann, tauschte sie den Bürosessel gegen den Sattel. Frauen gibt es ganz wenige unter den Kurieren, weil die meisten denken, die Arbeit sei zu anstrengend oder zu gefährlich für Frauen.

Fuffich bleibt die Luft ganz selten weg. Auch bei der Tortour durch die Stadt politisiert er, schimpft er, erzählt er nebenbei sein Leben. Ausprobiert hat er vieles, aber nur hier findet er die Freiheit, die er braucht. Er fährt riskant und erklärt den Autofahrern den persönlichen Krieg. Die Angst vor dem Unfall ist immer die Angst vor den Fehlern der anderen.

Eine Reportage von Carsten Wolf
(Erstsendung 30.03.2005)

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv